Die unbewältigte Niederlage und der große Hass - Deutschland nach 1918

Ein Vortrag von Gerd Krumeich

Montag, 27. Januar, 18:30 Uhr
Veranstaltungsort: Klemperersaal der SLUB Dresden

Deutschland 1918: Plötzlich ruhen die Waffen. Unerwartet und unerklärlich kam für viele der von den Militärs geforderte Waffenstillstand. Empörung machte sich breit, die sowohl die Entstehung von Initiativen für eine Re-Mobilisierung beförderte als auch die "Revolution der Soldaten" (Walther Rathenau) auslöste. In seinem Vortrag geht der bekannte Historiker Gerd Krumeich den gesellschaftspolitischen Konsequenzen des Waffenstillstands nach. Er zeigt, wie sich die Dolchstoß-Legende zu dem wichtigsten Instrument der Rechten im Kampf gegen die verhasste Republik entwickelte, wie sich gesellschaftliche Polarisierungen verschärften und wie der Ausgang des Krieges längerfristig die politischen Diskurse der Weimarer Republik beeinflusste.

In Kooperation mit der TU Dresden und SLUB Dresden


Jalta im Februar 1945: Befreiung Europas, Teilung der Welt?

Montag, 3. Februar, 18 Uhr
Vortrag und Gespräch mit Prof. Dr. Jost Dülffer
Moderation: Oberst Dr. Armin Wagner, Direktor MHM Dresden

Vor genau 75 Jahren, im Februar 1945, trafen sich mit den "großen Drei" die Staatschefs der wichtigsten Vertreter der Anti-Hitler-Koalition im Zweiten Weltkrieg, um über die Zukunft nach einem bevorstehenden Sieg über Nazi-Deutschland zu entscheiden. Doch ihre Pläne für ein "befreites Europa" überdeckten nur unvollkommen die bereits erkennbaren Gegensätze im alliierten Lager, die später aus einem geteilten Deutschland eine gespaltene Welt machen sollten.

Professor Jost Dülffer, einer der renommiertesten Zeithistoriker in Deutschland, nimmt die global politische Geschichte aus der Endphase des Zweiten Weltkrieges in den Blick und erzählt vom Ursprung des Kalten Krieges, den späteren Supermächten und einer zunehmenden bipolaren Militarisierung bis zur Korea-Krise 1950.


Von Nazis und Fliegenschissen - Wie mit Sprache unser Geschichtsbild bearbeitet wird

Montag, 24. Februar, 18 Uhr
Forum Museum
Podiumsgespräch mit Eric Wallis (Kommunikationswissenschaftlicher und Kampagnenberater) und Alexander Kissler (Journalist und Buchautor)
Moderation: Oliver Reinhard, Journalist und Historiker (Sächsische Zeitung)

Ob Verharmlosung der Vergangenheit oder Diffamierung verhasster Zustände, Personen, Ethnien oder Religionen in der Gegenwart: Mit dem gezielten Einsatz von Begriffen aus der NS-Zeit ("Kristallnacht", "Altparteien", "Umvolkung") oder neuen Wortschöpfungen ("Fliegenschiss", "links versifft" etc.pp) treten Akteurinnen und Akteure vor allem aus dem rechten Spektrum massiv in der Öffentlichkeit auf, um die Wahrnehmung von Vergangenheit und Gegenwart zu beeinflussen. Als historisches Museum ist das MHM an diesem Abend Schauplatz einer genaueren Auseinandersetzung mit solchen Formen strategischen Einsatzes von Sprache, neudeutsch auch "Framing" genannt. Dabei werden auch ähnliche Mechanismen sprachlicher Einflussnahme von außerhalb des rechten politischen Spektrums thematisiert, welche Folgen also beispielsweise der inflationäre Einsatz von Kampfbegriffen wie "Nazi" oder "Faschist" für den öffentlichen gesellschaftlichen Diskurs hat.
Der Kommunikationswissenschaftler und "Wortgucker" Dr. Eric Wallis wird hierzu ins Gespräch mit dem Cicero-Ressortleiter und "Phrasenkritiker" Dr. Alexander Kissler.


Luftkrieg in der NS-Filmpropaganda
"Die Degenhardts" (D 1944, mit Heinrich George, Ilse Petri u.a.)

Montag, 9. März, 18 Uhr
Filmvorführung mit Einführung und Diskussion

Als ab 1943 die von Nazi-Deutschland ausgegangene Gewalt mit den alliierten Luftangriffen auf deutsche Städte zu ihrem Ursprung zurückkehrte, stand die NS-Führung vor einer propagandistischen Herausforderung: Wie sollte die eigene Bevölkerung dazu gebracht werden, trotz der traumatisierten Erfahrung massiver Luftangriffe weiterhin an den versprochenen "Endsieg" zu glauben? Das Massenmedium Film sollte hierbei eine entscheidende Rolle spielen. Neben einer Fülle kurzer "Beruhigungsfilme", die alliierte Bombentypen und die Folgen eines Luftangriffs systematisch verharmlosten, wurde auch ein aufwändiger Spielfilm produziert. "Die Degenhardts" von 1944 tarnt sich als klassischer Familienfilm und inszeniert die Familie als Parabel auf die NS-Volksgemeinschaft: Streng regiert Vater Degenhardt über Frau und Kinder. Beruflich läuft es jedoch nicht so, wie der Lübecker Gartenbausekretär es sich wünscht, als ihm an seinem Geburtstag statt der ersehnten Beförderung feierlich Rentenbescheid überreicht wird. Erst der Krieg erlöst den zunehmend depressiven Beamten: Jeder Mann und jede Frau wird jetzt gebraucht. Seine Söhne melden sich freiwillig zum Militärdienst, die Tochter leistet zu Hause Aufbauarbeit. Und auch der alte Degenhardt bekommt noch einmal Gelegenheit zu zeigen, dass er noch lange nicht zum "alten Eisen" gehört.


Die Mauer muss weg!?
Wendeperspektiven aus Ost und West mit Thea Dorn, Steffen Mau und Lukas Rietzschel

Montag, 23. März, 18 Uhr
Forum Museum
Moderation: Cornelius Pollmer (Süddeutsche Zeitung)

Hat sich die Wende tatsächlich vollzogen? Angesichts der politischen Entwicklung in den vergangenen Jahren scheint der Schluss nahe zu liegen, dass der Graben zwischen OSt und West größer anstatt kleiner wurde. Zunehmend heißt es, dass die gesellschaftlichen Umwälzungen, die die Wende nach sich zog, der Ausgangspunkt für die derzeitige "Unzufriedenheit", "soziale Spaltung" und "politische Entfremdung" sind - vor allem, aber nicht nur im Osten.

Nach der Veranstaltung "Woher kommt die Wut im Osten", in der offensichtlich wurde, dass es noch viel Gesprächs- und historischen Aufarbeitungsbedarf zur Vor- und Nachgeschichte der Wende gibt, setzt das Militärhistorische Museum mit den "Wendeperspektiven" das Gespräch fort. Im Zentrum stehen Fragen wie diese: Was bedeutete die Wende für Ost und West? Welche Chancen und Probleme eröffneten sich für die Menschen hier wie dort? Ist die deutsche Gesellschaft heute geteilter als vor 30 Jahren? Und wie nimmt die junge Generation, die den Mauerfall nur aus Erzählungen und aus dem Unterricht kennt, die Wende war?

Moderiert von Cornelius Pollmer werden der Soziologe Steffen Mau sowie die Autorin Thea Dorn als Ost- und West-Vertreter einer Generation, die durch die Wende "hindurchgegangen" ist, und der Schriftsteller Lukas Rietzschel als Repräsentant der Nachwendegeneration miteinander diskutieren.


Krieg Macht Nation
Wie das deutsche Kaiserreich entstand

Mittwoch, 8. April, 18 Uhr
Eröffnung der Sonderausstellung

Drei Kriege, drei Siege, eine Nation? Forciert durch Bismarcks Machtpolitik und die Kriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich wurde 1871 der erste deutsche Nationalstaat gegründet.
Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr nimmt die 150-jährige Wiederkehr der Kaiserreichsgründung zum Anlass für eine große Sonderausstellung. Ausgehend von den europäischen Revolutionen 1848/49 zeigt die Ausstellung eine Epoche ungeheurer Dynamik. Fabriken, Eisenbahnen, Telegrafen, Massenpresse und das Streben nach gesellschaftlicher Teilhabe veränderten nicht nur den Alltag der Menschen. Sie veränderten auch die politischen Handlungsspielräume und die Art und Weise, wie Kriege geführt wurden. Während immer effizientere Geschütze entwickelt wurden, organisierten sich Bürgerinnen und Bürger, um das Leid auf den Schlachtfeldern zu lindern.
Nation, Krieg und Fortschrittsglauben waren im 19. Jahrhundert eng verflochten. Welche Folgen hatten die Siege unter preußischer Führung für Deutschland? Welche Auswirkungen hatten sie das Selbstverständnis der damals unterlegenen Staaten? Welche Ziele und Hoffnungen verbanden damals die Menschen mit der Idee der Nation?