Bilderstreit: Panzer und Positionen zeitgenössischer Kunst - 14. Juli bis 21. August 2012

  • Zeit: während der regulären Öffnungszeiten des Museums
  • Ort: MHM Dresden, verschiedene Bereiche in der Dauerausstellung

 

Die Ausstellung "Bilderstreit" ist ein Experiment.

In Kunstmuseen und -galerien findet man sie immer häufiger: Künstlerische Installationen, Projekte und Gemälde, die sich mit der De-/Konstruktion von Waffen(systemen) auseinandersetzen. Doch was geschieht, wenn solche Werke im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr gezeigt werden - wie wirken sie im Spannungsfeld zwischen realen Waffensystemen und der Architektur des Libeskind-Keils? Jede der drei folgenden zeitgenössischen Positionen steht für sich, doch jede hinterfragt auf ihre Art die Bedeutung und die Faszination von Waffen und berührt damit einen Kernbereich militärhistorischer Museen.

 

"LEOrigamiPard III" von Frank Bölter, ein Papierpanzer in Originalgröße

Der 60. Gründungstag der NATO brachte Bölter 2009 auf die Idee, zusammen mit Bundeswehrsoldaten einen LEOrigamiPard III zu falten, einen Papier-Panzer in der Größe des "Vorgänger-Modells" Leopard 2. Nicht zum ersten Mal wollte er Institutionen und Personen in seine Projekte einbinden, die dem zeitgenössischen Kunstgeschehen eher fern stehen. So baute er 2006 etwa mit Hilfe von Zisterziensermönchen ein seetüchtiges Riesenpapierschiff und begab sich damit "Auf große Fahrt".

Mit dem "Call for Future" der Bundeskunststiftung trat das Projekt "LEOrigamiPard III" 2010 in eine neue Phase. Die "Kollaboration Kunst und Militär" (Bölter) gewann eine Eigendynamik, mit der weder Künstler noch Bundeswehr gerechnet hatten. Am 09. Juli begann der Aufbau unter Anleitung der Origami-Expertin Kristina Wißling und mit Unterstützung von Soldaten der Offizierschule des Heeres und des Stabsmusikkorps - draußen vor dem Libeskind-Keil, vis-à-vis dem Original-Leopard II. Wird der aufgebaute Faltpanzer die geplanten fünf Wochen Ausstellungsdauer im Freien überstehen?

 

 

Michael Sailstorfers Arbeit "T72 sand", eine aufblasbare Attrappe eines russischen Panzers in Originalgröße.

Der Künstler bedient sich einer aufblasbaren Panzerattrappe, die er für 7.000 Dollar von einem chinesischen Hersteller bezogen hat. Normalerweise ahmen solche Panzerattrappen Motorengeräusche nach und erzeugen Wärme, um die gegnerische Radar- und Infrarot-Ortung zu täuschen. Sie simulieren so eine größere Kampfstärke oder lenken von realen Waffensystemen ab. Auch der Technologiestützpunkt Tarnen/Täuschen der Bundeswehr in Storkow forscht und arbeitet mit Panzerattrappen.

Doch Sailstorfer verwendet ein etwas abgewandeltes Modell ohne Innengerüst und technische Ausrüstung. An die leere Hülle schließt er ein Gebläse an. Die Attrappe entwickelt so ein Eigenleben, bläht sich zu voller Größe aufund sackt mit abknickendem Rohr wieder in sich zusammen. Der Lärm des Kompressors füllt den Raum, in den sich sich die Attrappe immer wieder ausdehnt, um sich dann beim Zusammenfallen selbst zu enttarnen.

 

 

"KonfliktStoff"-Panzer: Textilkünstler Jan Bejsovec setzt auf Irritation durch Niedlichkeit

Wie Ameisen ziehen seine 15 kleinen KonfliktStoff-Panzer ihre Bahnen über eine Innenwand des Libeskind-Keils. Die auf den ersten Blick wie Spielzeug wirkenden Panzer sind Teil seines "KonfliktStoff"-Projekts, für das er originale Militär- und vor allem Tarnstoffe zu Textilbildern und -objekten verarbeitet. Die KonfliktStoff-Panzer spielen mit widersprüchlichen Gefühlen von Vertrautheit und Abwehr, von Nostalgie und Provokation.

 

 

Weiter Zeithorizont durch Anselm Kiefers titelgebendes Gemälde "Bilderstreit"

Anders als in den ersten drei zeitgenössischen Positionen geht es in dem Gemälde von Kiefer nicht um Panzer für sich, sondern vielmehr darum, dass das Bild, die Kunst, selbst zum Schlachtfeld wird. Das Gemälde gehört zu einer um 1976/88 geschaffenen Werkgruppe, die auf die Auseinandersetzung um die Verehrung von Ikonen im Byzantinischen Reich des 8./9. Jahrhunderts verweist. Die Namen frühmittelalterlicher Protagonisten überziehen die Bildoberfläche. Am Rand einer zerbrochenen Malerpalette fahren Panzer auf und schlagen den Bogen zu den Gewaltexzessen des 20. Jahrhunderts.

Alle Bilder: Bundeswehr/MHM