Foto aus Fotoalbum: Der Galgen auf dem Marktplatz von Belgorod, Sowjetunion, Winter 1941/42

Das Fotomotiv

Das Foto aus dem Fotoalbum eines Frontoffiziers der Wehrmacht zeigt einen fest installierten Galgen auf dem Marktplatz von Belgorod. Die Bildqualität ist durch mehrere Faktoren relativ schlecht. Der Fotograf war ein deutscher Angehöriger der Wehrmacht, der wahrscheinlich über keinerlei fotografische Ausbildung verfügte. Zudem waren ungünstige Wetter- und Lichtverhältnisse für die schlechte Qualität des Fotos verantwortlich. Die vier Personen auf dem Foto sind wahrscheinlich Wehrmachtsangehörige, auch wenn ihre Kleidung nicht den Vorschriften entspricht. Im Winter 1941/42 trugen Wehrmachtsangehörige oft erbeutete russische Kleidung, da die deutsche Winterbekleidung gegen den strengen Winter nur ungenügend schützte.



Die Bedeutung

Der auf dem Foto gezeigte Galgen ist aufgrund seiner aufwändigen Konstruktion als dauerhafte Hinrichtungsstätte anzusehen. Er war daher eine ständige demonstrative Drohung an die Bewohner der Stadt Belgorod, keinen Widerstand gegen die deutsche Besatzung zu leisten. Öffentliche Erhängungen durch deutsche Täter fanden 1941 in der Sowjetunion oft an jüdischen Menschen statt. Diese Erhängungen sollten der Bevölkerung die Bekämpfung des „jüdischen Bolschewismus“ aufzeigen. Dieser von den Nationalsozialisten herbeifabulierte „jüdische Bolschewismus“ war angeblich für die stalinistische Terrorherrschaft in der Sowjetunion verantwortlich. Die deutschen Besatzer hofften so, antisemitische und antikommunistische Instinkte bei der unterworfenen Bevölkerung zu wecken. Wie viele andere Mordstätten des Holocausts wurden derartige Galgen nach der Ermordung von Juden für Taten an der einheimischen Bevölkerung weiter genutzt. Sie dienten der Bekämpfung und Abschreckung der immer stärker werdenden Partisanenbewegung. 1943 – vor 75 Jahren - gewann die Bekämpfung der Partisanen immer mehr Bedeutung, während die meisten jüdischen Osteuropäer bereits im Vernichtungssystem der SS umgekommen waren.

Bilder wie diese zeigen, dass die Mordmaschine der Deutschen bei den jüdischen Menschen nicht haltmachte sondern sich auch gegen die nichtjüdischen Menschen richtete.

Dieses und weitere Bilder im MHMBw

Dieses Bild ist in der Dauerausstellung des MHMBw im Bereich zur deutschen Besatzungsherrschaft im Zweiten Weltkrieg zu finden.

Zwei weitere Bilder von der öffentlichen Erhängung jüdischer Menschen sind im MHMBw im Bereich zum Überfall auf Polen sowie im Bereich zum Überfall auf die Sowjetunion zu finden.