Veranstaltungsachiv

100 Jahre Nosferatu. Film-Live-Konzert mit Olicía und Assimilation Process

Zum Jubiläum von Friedrich Wilhelm Murnaus »Symphonie des Grauens« vertonen Olicía (Dresden, Kopenhagen, Berlin) und Assimilation Process (Dresden) den Stummfilmklassiker neu.

Aufzeichnung der Veranstaltung vom 14. Oktober 2021.

Murnaus Stummfilm »Nosferatu« aus dem Jahr 1921 ist das Paradebeispiel eines Untoten. Er will einfach nicht sterben. Jüngst erwies ihm Zack Snyder in dem Zombie-Heist-Movie »Army of the Dead« die Ehre. Aber schon Murnaus Zeitgenossen zeigten sich von dem bluttrinkenden Untoten und seiner Inszenierung als Unheil bringende Plage fasziniert. Wohl auch deshalb, weil die Schrecken des Ersten Weltkrieges im apokalyptischen Grauen der Handlung und der Figur des Grafen Orlock schaurigen Ausdruck fanden. Mit der alptraumhaften Erzählung um den Nachtmahr schuf Murnau ein Meisterwerk des Horrorfilms. Seiner düsteren Atmosphäre nehmen sich die Musikerinnen Anna-Lucia Rupp und FamaM’Boup, auch bekannt als Duo Olicía, und der Musikproduzent Stefan Senf an, der unter dem Alias Assimilation Process zahlreiche Filme und Theaterstücke vertonte. Samples, Beats und elektronische Ambientflächen auf der einen, jazzige Loops und improvisierte Rhythmen auf der anderen Seite verschmelzen zum diesjährigen Film-Livekonzert mit der unerbittlichen Physiognomie des Nachtwandlers Orlock und lassen den Horror des Wiedergängers wieder auferstehen … Bis das Licht ihm ein Ende setzt.


Die Mauer muss weg!? Wendeperspektiven aus Ost und West

Podiumsdiskussion mit der Autorin Thea Dorn, dem Soziologen Prof. Dr. Steffen Mau und dem Schriftsteller Lukas Rietzschel; Moderation: Cornelius Pollmer.

Aufzeichung der Veranstaltung vom 4. Oktober 2021.

Hat sich die Wende tatsächlich vollzogen? Angesichts der politischen Entwicklung in den vergangenen Jahren scheint der Schluss nahezuliegen, dass der Graben zwischen Ost und West größer anstatt kleiner wurde. Zunehmend heißt es, dass die gesellschaftlichen Umwälzungen, die die Wende nach sich zog, der Ausgangspunkt für »Unzufriedenheit«, »soziale Spaltung« und »politische Entfremdung« sind – vor allem, aber nicht nur im Osten. Nach der Veranstaltung »Woher kommt die Wut im Osten«, in der offensichtlich wurde, dass es noch viel Gesprächs- und historischen Aufarbeitungsbedarf zur Vor- und Nachgeschichte der Wende gibt, setzt das Militärhistorische Museum mit den »Wendeperspektiven« das Gespräch fort. Im Zentrum stehen Fragen wie diese: Was bedeutete die Wende für Ost und West? Welche Chancen und Probleme eröffneten sich für die Menschen hier wie dort? Ist die deutsche Gesellschaft heute geteilter als vor 30 Jahren? Und wie nimmt die junge Generation, die den Mauerfall nur aus Erzählungen und aus dem Unterricht kennt, die Wende war? Moderiert von Cornelius Pollmer diskutieren darüber der Soziologe Steffen Mau sowie die Autorin Thea Dorn als Ost- und West-Vertreter einer Generation, die durch die Wende »hindurchgegangen« ist, und der Schriftsteller Lukas Rietzschel als Repräsentant der Nachwendegeneration.


Diplomat mit Kante

Christoph Heusgen, ehemaliger Botschafter und langjähriger Berater von Angela Merkel, spricht mit Dr. Jana Puglierin über aktuelle und zukünftige außen- und sicherheitspolitische Herausforderungen

Aufzeichnung der Veranstaltung vom 27. September 2021.

Zu seiner Pensionierung sandte sogar Barack Obama eine Videobotschaft. Während der ehemalige US-Präsident große Stücke auf Christoph Heusgen hielt, zeigte sich der chinesische Botschafter bei der letzten Sitzung des Deutschen als Vertreter im UN-Sicherheitsrat gänzlich undiplomatisch: »Gut, dass wir Sie los sind«, sagte Geng Shuang im Namen der Volksrepublik China, gegen deren Menschenrechtsverletzungen Heusgen klare Kante zeigte. Solch eindeutige Haltung ist in diplomatischen Kreisen ungewöhnlich, aber Heusgen war keineswegs blauäugig. Bis zur Bestellung zum Ständigen Vertreter bei den Vereinten Nationen im Jahr 2017 war er ein Mann im Hintergrund, der anderen die Bühne überließ. Auf seine Diskretion und vor allem Expertise vertraute Angela Merkel. Über zwölf Jahre beriet er die Kanzlerin in außen- und sicherheitspolitischen Fragen. Vor welchen Herausforderungen die deutsche Sicherheitspolitik gegenwärtig steht und in Zukunft stehen wird, darüber spricht Heusgen an diesem Abend mit der Politikwissenschaftlerin Dr. Jana Puglierin, Leiterin des Berliner Büros des European Council on Foreign Relations (ECFR).


Krieg und Holocaust

Podiumsdiskussion mit den Historikern Prof. Dr. Christoph Rass (Osnabrück) und Prof. Dr. Stephan Lehnstaedt (Berlin); Moderation: Dr. Kristiane Janeke (wissenschaftliche Leitung, MHM).

Aufzeichnung der Veranstaltung vom 20. September 2021.

Der Zweite Weltkrieg und der Völkermord an den europäischen Juden waren untrennbar miteinander verbunden. Das NS-Regime führte Krieg, um seine verbrecherischen Ziele zu erreichen. Gleichzeitig wären die Massenverbrechen der Nationalsozialisten ohne die militärische Besetzung vor allem Ost- und Südosteuropas nicht möglich gewesen. Bereits in den ersten Monaten der Eroberung Polens setzten hinter der vorrückenden Front Deportationen, Ghettoisierungen und Massaker ein. Mit Beginn des »Unternehmens Barbarossa« eskalierte die Grausamkeit des Völkermords. Der Krieg gegen die Sowjetunion war zugleich ein Vernichtungskrieg, in dem die Auslöschung der Juden und die Spurenbeseitigung dieses Verbrechens immer weiter perfektioniert wurden. Wie entwickelten sich die Vernichtungstechniken? Wer waren die Täter? Welche Rolle spielten Wehrmacht und andere militärische Akteure? Und wie wirkten sich militärische Entwicklungen auf die Vernichtung aus? Moderiert von der wissenschaftlichen Leiterin des Militärhistorischen Museums Kristiane Janeke gehen die Historiker Christoph Rass und Stephan Lehnstaedt in der Veranstaltung »Krieg und Holocaust« diesen Fragen nach.


Am Nullpunkt der Zivilisation. Moderierte Lesung von Zeugnissen nationalsozialistischer Verbrechen

Anlässlich der Sonderausstellung »KZ überlebt« lesen Ensemblemitglieder des Dresdner Staatsschausspiels aus Zeugnissen vor, die das Leben unter nationalsozialistischer Verfolgung und Gefangenschaft schildern.

Aufzeichnung der Veranstaltung vom 5. Juli 2021.

Unvorstellbare Unmenschlichkeit offenbaren die Zeugnisse der wenigen Überlebenden der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager. Manche dieser Dokumente entstanden unter Lebensgefahr noch während der Gefangenschaft, einige kurz nach der Befreiung und wieder andere als Rückblick auf das eigene Schicksal. Sie alle führen zum Nullpunkt der Zivilisation. Moderiert vom Projektleiter Gedenkstättenportal der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Adam Kerpel-Fronius, lesen die Schauspielerin Nadja Stübiger und der Schauspieler Torsten Ranft eine Auswahl dieser Zeugnisse vor. Sie alle eint, eine Mahnung für die Zukunft zu sein und an die Millionen Menschen zu erinnern, die aufgrund der nationalsozialistischen Verbrechen kein Zeugnis mehr ablegen können.

Die Texte stammen aus den Büchern der folgenden Autorinnen und Autoren:

01:57 David Rousset: Das KZ-Universum, Berlin: Jüdischer Verlag 2020, S. 100.
03:12 Reinhard Florian: Ich wollte nach Hause, nach Ostpreussen! Das Überleben eines deutschen Sinto, hrsg. v. Jana Mechelhoff und Uwe Neumärker, Berlin: Stiftung Denkmal für die Ermordeten Juden Europas 2012, S. 38.
11:53 Carl Laszlo: Ferien am Waldsee. Erinnerungen eines Überlebenden, hrsg. u. mit einem Nachwort von Albert C. Eibl, Wien: Das vergessene Buch 2020, S. 23-29.
21:51 Severina Szmaglevska: Die Frauen von Birkenau, mit einem Nachwort von Marta Kijowska, Frankfurt am Main: Schöffling & Co 2020, S. 15-21.
37:41 Reinhard Florian: Ich wollte nach Hause, nach Ostpreussen!, S. 40-41.
41:45 Zilli Schmidt: Gott hat mit mir etwas vorgehabt. Erinnerungen einer deutschen Sinteza, hrsg. v. Jana Mechelhoff und Uwe Neumärker, Berlin: Stiftung Denkmal für die Ermordeten Juden Europas 2020, S. 46.
47:53 Salmen Gradowski: Die Zertrennung. Aufzeichnungen eines Mitglieds des Sonderkommandos, hrsg. v. Aurélia Kalisky, Berlin: Jüdischer Verlag 2019, S. 213-217.
55:29 Reinhard Florian: Ich wollte nach Hause, nach Ostpreussen!, S. 45-46.
1:00:25 Carl Laszlo: Ferien am Waldsee, S. 117-127.
1:13:50 Zilli Schmidt: Gott hat mit mir etwas vorgehabt, S. 56-57.
1:17:15 Zilli Schmidt: Gott hat mit mir etwas vorgehabt, S. 91-93.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.


»Unternehmen Barbarossa«. Alte Mythen, neue Perspektiven

Podiumsdiskussion mit der Historikerin Dr. Kristiane Janeke (wissenschaftliche Leitung, MHM) und den Historikern Prof. Jörg Baberowski (Berlin) und Dr. Roman Töppel (München); Moderation: Alfred Eichhorn (Journalist, Berlin)

Aufzeichnung der Veranstaltung vom 21. Juni 2021.

Vor 80 Jahren, am 22. Juni 1941, begann unter dem Decknamen »Unternehmen Barbarossa« der Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion. Über 27 Millionen Menschen fielen dem folgenden Vernichtungskrieg zum Opfer. Bis heute existieren Mythen von heldenhaften sowjetischen Verteidigern und genialen deutschen Generälen, am Leben erhalten in politischer Absicht und glorifizierender Erinnerung, aber auch hinterfragt und widerlegt durch neue Forschungsergebnisse. Zum 80. Jahrestag des deutschen Angriffs nimmt das MHM neue Perspektiven auf überholte Gewissheiten und unbekannte Aspekte des Deutsch-Sowjetischen Krieges in den Blick.


Der Unbequeme. Eine »Zeitreise« mit Stefan Aust

Der Journalist Stefan Aust (Die Welt) im Gespräch zu seiner Autobiografie »Zeitreise« mit Marcus Thielking (Leiter Feuilleton, Sächsische Zeitung).

Aufzeichnung der Veranstaltung vom 3. Juni 2021.

Bequemlichkeit ist seine Sache nicht. Während andere mit 74 Jahren ihren Ruhestand genießen, bleibt Stefan Aust umtriebig und, wie eh und je, unbequem. Egal, wo er während seiner journalistischen Laufbahn gewirkt hat, sei es bei der linken Studentenzeitschrift »Konkret« oder als Chefredakteur der tendenziell konservativen Tageszeitung »Die Welt«, Aust legte immer den Finger in die Wunde. Seine Berichterstattung beim politischen Fernsehmagazin »Panorama« machte ihn in den 70er und 80er Jahren berüchtigt, Spiegel TV ließ ihn später berühmt, wenn nicht gar zur Ikone des kritischen Journalismus werden. Das Fundament legten aber seine Publikationen, insbesondere sein Buch »Der Baader-Meinhof-Komplex«, das als Standardwerk über den frühen RAF-Terrorismus gilt. Später nahm er in »Heimatschutz« die Verwicklungen von NSU und Verfassungsschutz ins Visier. Weder vor Linken noch Rechten und auch nicht vor der Staatsgewalt kuschte er, selbst dann nicht, wenn ihm Steine in den Weg gelegt wurden. In seiner Autobiografie »Zeitreise« schaut Aust deshalb nicht nur auf sein Leben zurück, sondern erzählt zugleich eine Geschichte der deutschen Bundesrepublik.

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